Weltchronik Frutolfs / Bischof Otto I. 1102 - 1139
Frutolf Mönch, Bibliothekar und Magister des Benediktinerklosters auf dem Michelsberg, verfasste um 1100 eine Weltchronik 1, welche heute zu den wichtigsten Geschichtsquellen des Frühmittelalters zählt. Sie umfasst die Zeit von der Erschaffung der Welt, was durchaus üblich war, bis 1099. Neben dieser Chronik verfasste Frutolf ein wichtiges Werk zur Musiktheorie. Mit ihm arbeiteten 20 Mönche sowie diverse Wissenschaftler im Skriptorium des Klosters, die die Klosterschule und Bibliothek zu einer der bedeutendsten unter den Eliteschulen Europas machten. Nach dem Tod des Frutolfs 1103 führte Ekkehard von Aura die Chronik bis 1125 fort, ergänzte diese und nahm auch Änderungen vor, weshalb man ihn fälschlicherweise für den Urheber dieser Chronik hielt.Da das Gelände zwischen der Karolinenstraße und dem Judenplatz stets feucht und sumpfig war, wurde um 1100, in der Lugbank, ein rund einen Meter breiter Bohlenweg angelegt. Die erste Schicht des Weges bestand aus Laub und Ästen, darüber kam eine Schicht Lehm als Bettung für die Holzbohlen. Diese wurden auf einer Länge von 29 Metern in einem Abstand zwischen 0,15 bis 0,45 Metern verlegt. Genutzt wurde der Weg rund fünfzig Jahre lang, dann wurde das gesamte Bodenniveau in Regnitz nähe um einen Meter angehoben, um den Uferbereich trocken zu legen.
Im Jahr 1102 übernahm der Kanzler Heinrichs IV., Otto I. 2 (1102 – 1139) das angeschlagene Bamberger Bistum und führte es zu einer neuen Blüte. Der neue Bischof ließ er den Bamberger Dom, der 1081 gebrannt hatte und nur repariert worden war, umfassend renovieren. Unter anderem erhielt die Kathedrale einen neuen Fußboden, die beschädigte Säulen wurden verputzt, die Wände mit neuen Fresken versehen, der Ostchor erhöht und die Ostkrypta erweitert. Das Dach als auch die Türme wurden mit Kupfer neu eingedeckt. Außerdem versah er die Kirchen der Stadt mit Türmen, die bis dato nur dem Dom vorbehalten waren und prägte so die heutige Silhouette Bambergs. Zudem trieb er die Anbindung der Insel zwischen den Hauptarmen der Regnitz an die Bergstadt voran.
Zwischen 1102 und 1103 gründete Otto I. das Pilgerspital St. Gertraud nahe St. Gangolf, heute Luitpoldeck, für die Pilger auf dem Jakobsweg.
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Kaiser Heinrich IV. starb 1106 in Lüttich, nachdem er zwei Jahre mit seinem Sohn Heinrich V. um die Macht im Reich gestritten hatte. Kurz zuvor war Heinrich V. auf dem Reichstag zu Worms als rechtmäßiger Nachfolger anerkannt worden. Otto I. stand auch dem neuen Herrscher treu zur Seite und übernahm zahlreiche Aufgaben für das Reich.
1109 weihte Otto I. die Stiftskirche St. Jakob (3), die im Kern wohl dem Heinrichsdom gleicht. Der Kirchenbau ist eine dreischiffige, romanische Säulenbasilika mit zwei Krypten, der nach Westen ausgerichtet ist, alles Merkmale die auch der erste Bamberger Dom aufwies. Des Weiteren bestätigt er dem Stiftskolleg den Besitz der Altenburg (4), die wiederum oberhalb des Jakobsbergs lag. Dies ist auch die erste urkundliche Erwähnung der Burganlage auf dem höchsten der sieben Bamberger Hügel. Der Ursprung des Namens Altenburg, sowie die frühe Baugeschichte liegen im Dunkeln. Vielleicht war sie eine Fluchtburg oder Absicherung nach Westen für die Burg auf dem Domberg, die strategisch günstig über dem Fluss, jedoch nicht auf dem höchsten Punkt der Umgebung, lag. In jedem Fall diente sie im 14. und 15. Jahrhundert als Dienstsitz der Bamberger Bischöfe.
Um 1110 gründete Bischof Otto I. das Aegidienspital am Michelsberg (heute Aufseesianum).
Heinrich V. wurde 1111 in Rom von Papst Paschalis II. zum Kaiser gekrönt.
Im Jahr 1114 weihte Otto I. die erneuerte Kirche des Klosters Banz.
Am 03. Januar 1117 erschütterte ein schweres Erdbeben große Teile Mitteleuropas. Selbst in Bamberg waren die Erdstöße spürbar und im Gotteshaus auf dem Michaelsberg löste sich der Schlussstein eines Gewölbes aus dem Mauerwerk. Da man den Einsturz des Gebäudes fürchtete, nutzte Bischof Otto I. die Gelegenheit eine neue Kirche errichten zu lassen. Den Plan für einen Neubau hatte der Bischof schon früher gefasst, nämlich nachdem er die Hirsauer Reform im Kloster angestoßen hatte. Nur 4 Jahre nach dem Baubeginn war der Sakralbau fertiggestellt.
Der Investiturstreit zwischen den deutschen Königen und den Päpsten in Rom konnte mit dem Wormser Konkordat, unter tätiger Mitarbeit Ottos I., im September 1122 beigelegt werden. Im Anschluss fanden 1124 und 1125 zwei weitere wichtige Hoftage in Bamberg statt.
Der erste Bamberger Freibierausschank ist für das Jahr 1093 schriftlich belegt. Die erste urkundliche Erwähnung einer Braustätte im Jahr 1122 war die Erteilung des Braurechts durch Bischof Otto I. an das Benediktinerkloster am Michelsberg. Diese Braustätte wurde, trotz Säkularisation und Privatisierung, bis 1969 betrieben. Heute befindet sich an gleicher Stelle das Fränkische Brauereimuseum .
1124 stiftete Otto I. die Benediktinerpropstei St. Getreu oberhalb des Michelsbergs. Ursprünglich hatte die zunächst als Nonnenzelle konzipierte Propstei zwei Kapellen. Eine Marien Kapelle, die 1650 in der neuen St. Getreu Kirche aufging und eine Fides Kapelle, ein Sakralbau von rund 25 Metern Länge und 10-11 Metern Breite, der später abgebrochen wurde.
Um die Christianisierung im Osten des Reiches voranzutreiben, begab sich Otto I. im Mai 1124 auf seine erste Missionsreise nach Pommern. Seine Route führte von seinem Bistum nach Prag und von Posen über Pyritz, Kolberg und Wollin bis Stettin, schließlich zurück nach Bamberg. Da sich in Pommern Widerstand gegen die Christianisierung formierte, begab sich Otto I. 1128 erneut auf eine Missionsreise (5), die ihn von Bamberg über Magdeburg und Stettin nach Gnesen und über Prag zurück nach Bamberg führte. Mit dieser Reise konnte er sein Missionswerk in Pommern erfolgreich abschließen.
Nachdem Kaiser Heinrich V. 1125 in Utrecht verstorben war, folgte ihm Lothar III. auf dem Königsthron, doch war sein Königtum nicht unbestritten. Erst auf einem Hoftag (6) zu Bamberg 1135 konnte der Streit zwischen Friedrich von Hohenstaufen, ein Gegenspieler Lothars im Kampf um die Krone, mit der Unterwerfung Friedrichs beigelegt werden.
Nach dem Tod Lothars III. konnte der in Bamberg geborene Konrad von Staufen (7) die Krone gewinnen. Er wurde im Juli 1138, unter dem Namen Konrad III. zum Deutschen König gewählt.
Nach seiner 37-jährigen Amtszeit verstarb Bischof Otto I. am 30. Juni 1139. Er wurde seinem Wunsch gemäß im Kloster St. Michael beigesetzt. Er erwarb sich großes Ansehen in der Kirche und im Reich, unter anderem gründete er 27 Klöster und 7 Diözesen. Otto I. war der erste Bamberger Prälat, der eine zielgerichtete Territorialpolitik betrieb, um die Besitzungen des Bistums zu festigen und die Macht der Vögte zu beschränken. Wegen seines segensreichen Wirkens sowie seiner Missionstätigkeit wurde er fünfzig Jahre nach seinem Tod in den Kreis der Heiligen aufgenommen.
Die Nachfolge des Bischofs Otto I. trat Egilbert an. Er führte die klosterfreundliche Diplomatie und die Erweiterung des Bistums fort. Den Höhepunkt seiner Regentschaft bildete die Heiligsprechung Heinrich II., am 14. März 1146, durch Papst Eugen III. Heinrich II. blieb der einzige deutsche Kaiser, der heiliggesprochen wurde. Wenige Monate darauf verstarb Egilbert.
Noch vor 1139 entstand auf dem Felsvorsprung am Übergang zwischen Unterem- und Mittlerem Kaulberg, auch Knöcklein genannt, das Spital St. Theodor für Pilger, Arme und Kranke. Es wäre möglich, dass die Stiftung auf den ersten Bamberger Bischof Eberhard zurückgeht.
1139 befahl der Abt des Klosters Michelsberg Hermann, seinen Mitbrüdern am Hang des Klostergartens einen Weinberg anzulegen. Weinbau wurde auf den Bamberger Hügeln bis ins 18. Jahrhundert betrieben, dann jedoch vom Hopfenanbauverdrängt. Zur Landesgartenschau 2012 wurde der Weinberg am Michelsberg wiederbelebt und bis heute wird dort Wein angebaut. https://www.buergerspitalstiftung.de/bamberger-stiftsgarten/ueber-den-stiftsgarten
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