1600 - 1622 Der Zweitlerplan
Zur Jahrhundertwende war Süßholz, neben Sämereien und Gewürzpflanzen, eines der wichtigsten Exporterzeugnisse der Bamberger Gärtner. Aus Süßholz wurden Lakritze und Hustensaft hergestellt.
Seit 1601 ist ein Waisenhaus am Kaulberg durch Rechnungen belegbar. Es
war 1588 von Fürstbischof Ernst von Mengersdorf gestiftet worden und war
ehemals ein Seelhaus für Pilger. Heute ist dort eine Jugendherberge
untergebracht, Unterer Kaulberg 30.
1602 entstand der erste gründliche Abriss der Stadt Bamberg, der sogenannte Zweidlerplan.
Der Kartograf und Landvermesser Petrus Zweidler aus Teuschnitz
fertigte, auf Anweisung des Bischofs, vier Kupferstichplatten an, die am
Ende einen Stadtplan von 103 x 83 cm Größe auf vier Blättern Papier
ergaben. Mit der Grundrissdarstellung aus der Vogelperspektive kann man
sich noch heute in der Altstadt zurechtfinden. Der Plan ist ein
wichtiges Zeugnis der Stadtgeschichte und Stadtentwicklung, aber auch
ein Meisterwerk der Kartografie.
1605 erwarb die Stadt das Gasthaus „Zum Wilden Mann“
(Kranen 12) um dieses Gebäude abzureißen und für seine Bürger einen
Veranstaltungsort zu schaffen. 1610 war der Renaissancebau so weit
fertiggestellt, dass die ersten Veranstaltungen, vornehmlich Hochzeiten,
stattfinden konnten. Daher rührt wohl auch die Bezeichnung
Hochzeitshaus. Heute werden die Räume von der Universität genutzt.
1605 - 1611 begann, unter der Leitung des Nürnberger Stadtbaumeisters
Jakob Wolff d. Ä., der Bau der beiden hinteren Flügel der späteren Neuen Residenz. Der sogenannte Gebsattelbau wurde noch im Stil der Renaissance ausgeführt.
Bis zur endgültigen Fertigstellung des Fürstenhofes sollten noch 100 Jahre vergehen.
1609 wurde Johann Gottfried von Aschhausen
einstimmig vom Domkapitel zum neuen Fürstbischof gewählt. Im Gegensatz
zu seinem Vorgänger, dem man einen liederlichen Lebenswandel und Nähe
zum Protestantismus vorwarf, war der neue Fürstbischof gerade das
Gegenteil, er nahm die Reform der Kirche ernst. Um dem katholischen
Glauben wieder zu altem Glanz zu verhelfen, holte er 1610 die Jesuiten,
die Träger der Gegenreformation, nach Bamberg. Sie bezogen das ehemalige
Karmeliterkloster in der Au (Austraße).
Außerdem trat Aschhausen der Katholischen-Liga bei, die Herzog Maximilian von Bayern ins Leben gerufen hatte.
Am 10. Mai 1610 erließ Johann Georg ein Mandat gegen Wahrsagerei,
Zauberei und abergläubische Bräuche. Dieses Mandat sollte die Grundlage
der Hexenverfolgung im Hochstift werden. Die treibende Kraft hinter der
Hexenverfolgung war Generalvikar und Weihbischof Friedrich Förner.
Mit seinen Predigten befeuerte er den tief verwurzelten Aberglauben der
Menschen und präsentierte Schuldige für die damaligen Wetterkapriolen,
die als Kleine Eiszeit in die Geschichte eingehen sollten. Außerdem veröffentlichte er eine Sammlung von Hexenpredigten in lateinischer Sprache.
1610 brannte der Dachstuhl der Klosterkirche auf dem Michelsberg
komplett aus. Der Brand wurde einem Dachdecker zur Last gelegt. Dieser
hatte bei Reparaturarbeiten am bleigedeckten Dach das Kohlenbecken für
die Bleischmelze nicht von seinem Arbeitsplatz nach unten getragen und
so den Brand verursacht. Die Löscharbeiten waren sehr schwierig, da das
geschmolzene Blei in den Kirchenraum tropfte. Nur Teile des Chors und
das Grab Ottos blieben unversehrt. Im Zuge der Reparatur erhielt das
Langhaus ein neues Gewölbe und zwei neue Türme. Für die Bauarbeiten
zeichnete der Baumeister Lazaro Agostino verantwortlich.
1611 übergab Johann Gottfried den Jesuiten die Leitung des Gymnasiums Collegium Ernestinum. Die Jesuiten sollten den Trienter Konzilsbeschluss, die Priesterausbildung zu reformieren, in Bamberg umsetzten.
Bengt Bengtsson Oxenstierna erwähnt Bamberg in seinen Reiseaufzeichnungen.
1613 zog das, erst zwei Jahre zuvor gegründete, Ernestinum in den neugebauten Kollegiumsschulbau in der Austraße um. Heute befinden sich in dem Renaissancebau Räume der Bamberger Universität.
1613 übernahmen die Jesuiten, neben dem Gymnasium, auch die Leitung des
Priesterseminars, sowie ab 1614 die Leitung der restlichen 13 Bamberger
Stadtschulen, der fünf Spitäler und zweier Leprahäuser.
1614 wurde das Deckengemälde, der sogenannte Bamberger Himmelsgarten, in der renovierten Klosterkirche des Klosters St. Michael
fertiggestellt. Das gemalte Herbarium zeigt 578 unterschiedliche
Pflanzen. Die Blumen und Kräuter, aber auch Bäume sowie Moose sind in
einer nie gekannten Detailtreue dargestellt.
Die Weihnachtskrippe
in St. Martin geht auf eine Tradition zurück, die Anfang des 17.
Jahrhundert in Alt St. Martin ihren Ursprung hatte. Dort wurde seit 1615
ein Weihnachtsspiel mit lebenden Figuren aufgeführt und kurz darauf
wurde auch eine Weihnachtskrippe aufgestellt.
1616 – 1619 rollte die erste Welle von Hexenprozessen durch das
Hochstift. Die ersten Verfahren fanden nicht in Bamberg, sondern in
Hallstadt, Zeil am Main
und Kronach 1619 musste der Fürstbischof die Hexenverfolgung
einstellen, da die Verfahren und Hinrichtungen mehr Geld kosteten als
erwartet. In diesen drei Jahren fielen 155 Menschen dem Hexenwahn zum
Opfer, doch es sollte noch schlimmer kommen.
Nach dem Tod des Würzburger Bischofs Julius Echter übernahm der
Bamberger Fürstbischof Johann Gottfried dessen Amt und regierte beide
Bistümer in Personalunion. Ein Zustand, der sich in den folgenden
Jahrhunderten noch des Öfteren wiederholen sollte.
1618 brach der Dreißigjährige Krieg
aus. Der Bamberger Bischof stellte dem Kaiser und der Katholischen-Liga
13000 Soldaten zur Verfügung. Zu Beginn des Krieges blieb die Stadt von
unmittelbaren Kriegshandlungen verschont, doch das sollte sich noch
ändern.
Literatur:
Karin Dengler-Schreiber: Zerstörung und Wiederaufbau als Element von Stadtentwicklung am Beispiel des Dreißigjährigen Krieges: PDF:
Am 29. Dezember 1622 verstarb Fürstbischof Johann Gottfried von Aschhausen auf einem Fürstentag in Regensburg, den Kaiser Ferdinand II. einberufen hatte.
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1623 - 1631 Der Hexenbrenner und sein Weihbischof
1623 übernahm Johann Georg II. Fuchs von Dornheim
das Bamberger Bistum und erlangte traurige Berühmtheit als fanatischer
Inquisitor, womit er sich den Beinamen „Hexenbrenner“ verdiente. Zwar
waren im Fürstbistum schon Ende des 16. Jahrhunderts Hexen verfolgt
worden, doch während der Regentschaft Johann Georgs fielen dem Hexenwahn
rund 1000 seiner Untertanen im Fürstbistum zum Opfer. Bezogen auf die
Fläche und die Einwohnerzahl des Bamberger Bistums waren dies die
weitaus höchsten Opferzahlen im Heiligen Römischen Reich Deutscher
Nation.
Ein schwerer Kälteeinbruch am 25. Mai 1626, der die Fruchtansätze von
Weinreben, Obstbäumen und Getreide erfrieren ließ, zog eine Hungersnot
nach sich. Diese wurde zum Auslöser der zweiten Welle einer
Hexenverfolgung im Bamberger Bistum. Die Menschen wollten lieber an
Schadzauber glauben, als an ein natürliches Wetterphänomen. Der
Fürstbischof und dessen Weihbischof Förner bestärkten sie darin nach Kräften.
Eine der Besonderheiten der Bamberger Hexenverfolgung war das Malefizhaus,
es wurde 1627 eigens erbaut, um angebliche Hexen zu internieren, zu
verhören und zu foltern, heute Promenade. Eine weitere Besonderheit war,
dass überdurchschnittlich viele Männer als Hexer angeklagt und
hingerichtet wurden. Außerdem fielen sehr viele wohlhabende und
hochgestellte Familien der Hexenverfolgung zum Opfer, teilweise wurden
diese gänzlich ausgerottet. Unter den Opfern waren fünf Bamberger
Bürgermeister, einige Hofbeamte, sowie der bischöfliche Kanzler Dr.
Georg Haan und seine gesamte Familie. Haan hatte Bischof Aschhausen die
Mittel zur Fortführung der Hexenprozesse verweigert und so die zweite
Welle der Hexenverfolgung beendet.
Zwar hatte der Kaiser mehrfach versucht die Hexenverfolgung im Bamberger
Fürstbistum zu beenden, doch erst mit seinem Mandat vom 12. Juni 1631,
welches die Verhaftung und Folterung aufgrund von Denunziation verbot,
endete der Hexenwahn im Hochstift.
Die Schweden, die die Stadt 1632 besetzt hatten, ließen die letzten
Insassen des Malefizhauses frei.
Bis zum Ende der Hexenprozesse hatte die Hexenkommission und der
Fürstbischof rund 500.000 Gulden von den Verurteilten eingezogen. Am
Ende flohen die Verantwortlichen Hexenkommissare und wurde nie für ihre
hundertfachen Morde zur Rechenschaft gezogen.
Um die Gegenreformation weiter voranzutreiben, berief 1627 Fuchs von Dornheim die Kapuziner
nach Bamberg und siedelte die ersten Ordensleute an der Weide an. Des
Weiteren wurden nicht katholische Geistliche, Lehrer und Beamte aus
ihrem Dienst entlassen und wer nicht wieder zum katholischen Glauben
zurückkonvertieren wollte, wurde aus dem Bistum vertrieben.
1627/28 entstand auf 28 Tafeln ein Bilderzyklus über das Leben des
Heiligen Otto. Erzählt wurde, in 60 Episoden, das Leben des Heiligen.
Die Darstellungen drehen sich zum Großteil um dessen Missionsreisen und
Wundertaten. Der Bamberger Hofmaler Veit Konrad fügte 1628 einen
Stammbaum Ottos hinzu, möglicherweise hatte er den gesamten Zyklus
geschaffen. Abt Veit II. Schütz ließ die Tafeln beidseits des Ottograbs
aufhängen. Interessant sind die Darstellungen Bambergs unter anderen des
Doms, des Michelsbergs oder der Altenburg.
Die Otto-Tafeln bei Apfelweibla.de
1628 begann der Neubau von St. Stephan. Bis auf den Chor von 1300 und den Türmen von 1235 wurde alles abgebrochen und von den Baumeistern Giovanni Bonalino (1575 – 1633) und Antonio Petrini
(1631 – 1701), im italienischen Hochbarock, auf dem alten kreuzförmigen
Grundriss des Vorgängerbaues, neu errichtet. Der Dreißigjährige Krieg
und die daraus resultierenden Verheerungen der Stadt führten dazu, dass
die Bauarbeiten bis 1680 dauerten.
Der der Hexerei angeklagte Bamberger Bürgermeister Johannes Junius
verfasste am 24. Juli 1628 während seiner Haft kurz vor seiner
Hinrichtung einen Abschiedsbrief
an seine Tochter Veronika. Es ist eine sehr seltene Quelle, die einen
unverstellten Blick hinter die Kulissen des Hexenwahns der Frühen
Neuzeit bietet.
Vortrag Staatsbiliothk Bamberg - Junius Brief
Eine von Johann Franz Casche für die Obere Brücke gestiftete Kreuzigungsgruppe wurde am 10. August 1628 aufgestellt.
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1632 - 1648 Der Dreißigjährige Krieg
1632 erwähnte Martin Zeiller Bamberg in seinen Reisebeschreibungen.
Bis 1632 blieb Bamberg von direkten Kriegshandlungen verschont. Fuchs
von Dornheim hatte sich bis jetzt nur mit Truppen und Geld am
Dreißigjährigen Krieg beteiligt.
Doch am 11. Februar besetzten schwedische Truppen unter General Gustaf Horn,
nach kurzer Gegenwehr, erstmals die Stadt. Der Fürstbischof und große
Teile der Geistlichkeit waren schon zuvor aus der Stadt geflohen. Im
März zerstörten die Schweden die 1496 erstmals urkundlich erwähnte
Magdalenen Kapelle, nebst umliegender Gebäude, in der Wunderburg. Die
Kapelle wurde zunächst nicht wiederaufgebaut.
Doch schon am 9. März konnte Graf Tilly die Schweden wieder aus der Stadt vertreiben und fast ein Jahr lang halten.
Vom 4. – 7. Oktober 1632 hielt General Wallenstein eine Musterung in der Stadt ab. Er nahm Quartier im „Haus zum Saal“ in der Langen Gasse, heute Lange Straße.
Im Februar 1633 nahmen die Schweden Bamberg erneut ein und am 13. August
mussten die Vertreter der Stadt dem, mit Schweden verbündeten, Herzog von Franken Bernhard von Weimar Treue und Gehorsam schwören.
Fürstbischof Fuchs von Dornheim verstarb am 19. März 1633 im Exil in Kärnten. Sein Nachfolger Franz von Hatzfeld (1633 – 1642) war seit 1631 Fürstbischof von Würzburg und übernahm das Bamberger Bistum in Personalunion.
Nach der Schlacht von Nördlingen
1634 mussten sich die Schweden aus Franken zurückziehen und am 30. März
1635 kam Fürstbischof Franz von Hatzfeld erstmals seit seiner Wahl nach
Bamberg.
Zwar war nach dem Prager Frieden
vom 30. Mai 1635 Franken kein unmittelbarer Kriegsschauplatz mehr,
dennoch wurde Bamberg und das Hochstift durch Truppendurchzüge,
Einquartierungen, Kontributionen und kurzzeitige Besetzungen weiterhin
stark belastet und die Bevölkerung litt große Not.
1636 - 1656 baut der Hofarchitekt Giovanni Bonellino ein neues Kloster
nebst Klosterkirche für die Kapuziner in der Kapuzinerstraße. Die
eigentliche Klostergründung fand 1649 statt. Die Klosterkirche wurde
1656 auf Heinrich und Kunigunde geweiht. 1804 wurde das Kloster
aufgelöst, die Räume anderweitig genutzt und 1877 abgerissen. (Heute
Clavius Gymnasium)

Kapuzinerkirche Bamberg ca 1858
Von Januar bis März 1641 besetzten französische Truppen unter Marschall
Guelriant Bamberg. Die Franzosen waren 1635 an der Seite Schwedens in
den Krieg eingetreten.
1642 wurde Melchior Otto Voit von Salzburg
(1642 – 1653) zum Nachfolger des am 30. Juli verstorbenen Fürstbischofs
bestellt. Er erwarb sich große Verdienste um den Wiederaufbau der
Stadt.
1643 besetzte der schwedische Befehlshaber Christoph von Königsmarck
kurzzeitig Bamberg, um Lösegeld zu erpressen. Zunächst hatte er 70.000
Reichstaler gefordert, musste sich aber mit 16.000 begnügen, da die
Bürger nicht mehr aufbringen konnten.
1646 quartierte Erzherzog Leopold Wilhelm von Österreich
seine Truppen in Bamberg ein. Er war zwar Heerführer der kaiserlichen
Kriegspartei, doch hinterließen seine Soldaten bei ihrem Abzug am 30.
Mai die Stadt kaum weniger beschädigt, als die feindlichen Heere.
Am 14. November 1647 erhob der Bischof das Kollegium der Jesuiten,
welches auf die Gründung der Domschule von Kaiser Heinrich zurückgeht,
zur Akademie. Die „Academia Ottoniana“
hatte zunächst eine theologische und eine philosophische Fakultät. Nach
der Bestätigung durch Kaiser und Papst nahm die Akademie, mit allen
Rechten einer Universität, am 1. September 1648 ihre Lehrtätigkeit auf.
Bis 1650 stieg die Zahl der Studierenden auf 400.
1648 beendete der Westfälische Frieden
den Dreißigjährigen Krieg. Das Fürstbistum Bamberg und der Fränkische
Reichskreis, dessen Direktor der Fürstbischof war, wurden durch den
tatkräftigen Gesandten Cornelius Göbel bei den Verhandlungen in Osnabrück und Münster vertreten.
Der Krieg hatte in der Stadt schlimme Spuren hinterlassen. Zwar waren
nur wenige Gebäude durch direkte Kriegseinwirkungen zerstört worden,
doch durch die ständigen Einquartierungen von Soldaten, waren viele
Gebäude ruiniert, oder durch dauerhaften Leerstand unbewohnbar geworden.
Vor allem die ärmeren Stadtviertel waren betroffen. Selbst der Dom
hatte schwer unter den schwedischen Soldaten gelitten und musste
vorübergehend geschlossen werden.
Flucht, Seuchen, Kampfhandlungen
und Hunger hatten die Einwohnerzahl von 12000, um das Jahr 1600, auf
6900 dezimiert. Der Einwohnerschwund hatte schwerwiegende Folgen für die
Gebäude der Stadt, dies ergab eine Untersuchung aus dem Jahr 1643. Rund
660 Gebäude waren von Verfall betroffen und die Hälfte davon total
ruiniert. Die meisten Schäden waren nicht direkten Kriegshandlungen,
sondern dem Leerstand zuzuschreiben.
Im gesamten Fürstbistum war die Bevölkerungszahl um rund 40 % gesunken.
Das Bistum musste 100.000 Gulden Kriegsentschädigung an Schweden
bezahlen, weshalb die letzten schwedischen Truppen erst 1650 endgültig
abzogen.
Ebenfalls 1648 erschien eine Bamberger Stadtansicht in der „Topographia Franconiae“.
Ab 1648 führten Joachim von Sandrart und Justus Glerker die Barockisierung des Bamberger Doms
fort. Im Laufe der Umgestaltung wurden die Bundglasfenster entfernt,
die Gewölbe und Wände weiß gestrichen. Die mittelalterliche Ausstattung
verschwand größtenteils aus dem Dom, so wurden die Lettner vor dem
Ostchor entfernt und durch Gitter ersetzt. Auch wurden zahlreiche Altäre
neugestaltet und für den Hauptaltar eine Kreuzigungsgruppe von Justus
Glesker geschaffen.
Nachdem die überlebensgroßen, goldgefassten Lindenholzfiguren 1837
verkauft worden waren, kehrten sie erst 1912 wieder in den Dom zurück.
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1649 - 1699 Wiederaufbau / Schönbornzeit
1649 richtet der Bauer Hanß Lauer in der Königstraße eine Brauerei ein - die Fässla Bräu.
Um 1650 wurde den Juden offiziell gestattet, sich in der neuen
Judengasse (heute Generalsgasse) anzusiedeln, wobei die Bischöfe in den
folgenden Jahren mehrere Mandate zum Schutz der Juden erließen.
Zwischen 1652 und 1732 entstand oberhalb von St. Michael die heutige Barockkirche St. Getreu. Der Kirchenbau entstand über einem Vorgängerbau, welcher schon 1124 geweiht worden war.
1652 erschien das von dem Bamberger Barbier Georg Geelman verfasste Chirurgische Fachbuch für Bader und Barbiere „Chirurgiae Tripartita Flora“, welches der Okulist und Schnitt-Arzt dem Fürstbischof Melchior Otto Voit von Salzburg widmete.
1653 wurde Philipp Valentin Voit von Rieneck (1653 – 1672) Fürstbischof. Er setzte die Sparpolitik seines Vorgängers, sowie die Barockisierung des Stadtbildes, fort.
Außerdem beschnitt er die Mitsprache der Stände, er berief den Landtag einfach nicht mehr ein.
1653 leben wieder rund 7.000 Menschen in Bamberg.
Am 24. Juni 1654 wurde die Kapuzinerkirche zu Ehren Heinrichs und Kunigundes geweiht.
1658 ließ der Fürstbischof die Reliquien des Kaiserpaares in das
Marmorgrab Riemenschneiders, welches im Zuge der Barockisierung vor den
Ostchor versetzt worden war, überführen.
Ab 1665 wurde der rückwärtige Teil des Anwesens Generalsgasse Nr. 15 als dritte Bamberger Synagoge genutzt.
1668 wurde das Rottmeisterhaus, der älteste Teil des Alten Rathauses, erneuert.
1669 fertigte der Maler und Organist Georg Adam Arnold (1645 - 1711) die älteste erhaltene Innenraumdarstellung des Bamberger Doms
an. Das Ölgemälde gibt den barocken Zustand des Innenraumes wieder. An
den Säulen sind zahlreiche Altäre zu erkennen, das Mauerwerk ist weiß
gestrichen und selbst der Bamberger Reiter weiß gefasst.
1670 wurde in der Wunderburg erstmals eine Brauerei urkundlich erwähnt, die heutige Mahrs Bräu.
1671 finanzierte Voit von Reineck den Wiederaufbau des Waisenhauses am
Kaulberg, welches der Hl. Margareta geweiht war, aus seiner
Privatschatulle und bedachte es mit einem Legat in seinem Testament.
1672 hatte Bamberg wieder eine Einwohnerzahl von rund 10000 erreicht.
Peter Philipp von Dernbach
(1672 – 1683) übernahm 1672 den Bamberger Bischofssitz und wurde 1675,
in Personalunion, auch Bischof von Würzburg. Ihm gelang es die Rechte
des Domkapitels, welches seit Jahrhunderten die Amtsgewalt des Bischofs
beschränkt hatte, zu beschneiden, doch ganz befreien konnte auch er sich
nicht.
In einem Allianzvertrag vom 15. November 1675 verpflichtete sich der
Bamberger Fürstbischof zur Bereitstellung von 6.000 Soldaten für Kaiser
Leopold I., der in einen Konflikt mit König Ludwig XIV. von Frankreich
verwickelt war. Dieses Truppenkontingent sollte, dem Trend der Zeit
folgend, zur Keimzelle eines Stehenden-Heeres im Fürstbistum werden.
Nachdem es mehrfach zu Misshandlungen von Juden auf offener Straße
gekommen war, erneuerte der Fürstbischof am 5. Juli 1672 einen Erlass
seines Vorgängers, der Tätlichkeiten gegen Juden unterbinden sollte.
1677 übernahm der Kupferschmied Christian Schulz die Schmiede seines
verstorbenen Meisters. Er stellte neben Haushaltswaren auch Braupfannen
aus Kupfer her. Aus diesen bescheidenen Anfängen wuchs über zehn
Generationen das Weltunternehmen für Brautechnik Kaspar Schulz heran.
Literatur:
Karin Dengler-Schreiber: „Kupferschmiede in Bamberg – Die Zunft, die Domtürme Und die Kupferschmiedsfamilie Schulz“. 2001. PDF:
Am 5. August 1678 ließ der Enkel von Johann Franz Casche, Dr. Hohann
Philipp Casche das schadhafte Kreuz auf der Oberen Brücke durch eine
Kreuzigungsgruppe ersetzen.
Zwischen 1679 und 1682 ließ das Kloster Ebrach auf seinem Grundstück am Vorderen Bach 5 von Werkmeister Andreas Kestler den (Alten) Ebracher Hof errichten.
1683 bestieg Marquard Sebastian Schenk von Stauffenberg
(1683 – 1693) den Bischofsstuhl in Bamberg. Er ordnete die Finanzen des
Bistums und trieb den barocken Umbau der Stadt wesentlich voran.
Zu den bedeutendsten Bauten dieser Zeit gehören die Jesuitenkirche Zum Namen Jesu heute St. Martin. Die einzige Barockkirche, mit dem größten Kirchenraum der Stadt wurde zwischen 1686 und 1693 nach Plänen von Georg Dientzenhofer und unter der Bauleitung von Johann Leonhard Dientzenhofer, errichtet. Ihr Vorbild war die Mutterkirche des Jesuitenordens Il Gesù in Rom. Die neue Kirche jedoch sollte der Startpunkt für den Siegeszug des Barocks in Franken sein.
Ein weiterer Meilenstein zum fränkischen Frühbarock war die Fürstbischöfliche Marquardsburg (Schloss Seehof).
Die drei Kilometer vor den Toren der Stadt gelegene Anlage wurde nach
Plänen von Antonio Petrini 1696 fertiggestellt. Seehof war Sommerfrische
und Jagdschloss der Fürstbischöfe und beherbergt heute die Bayerische
Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen.
Um 1690 hatte das Fürstbistum sich finanziell von den Kriegseinwirkungen
des Dreißigjährigen Krieges erholt und galt sogar als relativ
wohlhabend, sodass der Fürstbischof 1692 in der Lage war, ein stehendes
Heer von 12.000 Mann unter Waffen zu halten.
Unter der Leitung von Leopold Dientzenhofer wurde 1692 die Fassade der Kirche des Karmelitenklosters am Kaulberg barockisiert.
1692 wurde auf Betreiben Andreas Klubenspieß die barocke Maria Hilf Kapelle als Ersatz für die abgegangene Magdalenenkapelle in der Wunderburg errichtet.
Nach dem überraschenden Tod Marquard Sebastians wurde am 16. November 1693 Lothar Franz von Schönborn
(1693 – 1729) einhellig vom Domkapitel zu dessen Nachfolger bestellt.
Seine Ernennung zum Erzbischof von Mainz 1695, womit die erste Kurwürde
des Reiches und das Erzkanzleramt verbunden waren, vergrößerte seine
Macht im Fürstbistum und im ganzen Reich.
Hinzu kam, dass Papst Innozenz XII. Wahlkapitulationen, die die Macht der Bamberger Bischöfe beschnitten hatten, verbot.
So konnte Lothar Franz in Bamberg einen absolutistischen Herrschaftsstil
durchsetzen, das Domkapitel entmachten und seiner Baulust freien Lauf
lassen. Nicht von ungefähr wird er auch „Vater des fränkischen Barocks“
genannt, denn unter seiner Regierung wurden sämtliche Kirchen und
Kapellen, sowie die Fassaden zahlloser Fachwerkhäuser Bambergs,
barockisiert. Des Weiteren gab er im April 1695 seinem Hofbaumeister
Leonard Dientzenhofer den Auftrag eine Neue Residenz
zu bauen. Der Neubau sollte im Stil der Zeit Dreiflügelig ausgeführt
werden, was den Abriss der Alten Hofhaltung zur Folge gehabt hätte. Doch
der Spannische Erbfolgekrieg führte dazu, dass nur zwei Flügel
ausgeführt werden konnten und die Alte Hofhaltung, heute möchte man
sagen zum Glück, erhalten blieb.
Aber auch die Staatsführung baute er um. Es entstand ein neues
bürgerliches Beamtentum. Die Amtsträger wurden nach ihren Fähigkeiten,
nicht nach ihrem Stand ausgewählt, beurteilt und gefördert. So entstand
eine neue, dem Fürstbischof ergebene wohlhabende Schicht Bürger, die mit
über zwanzig neu errichteten Palais die barocke Umgestaltung des
Stadtbildes vorantrieb.
Trotz der regen Bautätigkeit gab es 1694 noch zahlreiche Bauruinen und
Brachland, deshalb wurde den Juden erlaubt 24 Häuser in der Stadt
käuflich zu erwerben. Jedoch mussten sie entweder Brachen neu mit
Steinhäusern bebauen oder beschädigte Häuser instandsetzen.
Nachdem diese Maßnahme nicht den gewünschten Erfolg zeitigten ordnete
Lothar Franz 1697 an, dass ungenutzte Grundstücke vom Magistrat
enteignet und verkauf werden sollten.
1695 zählte die Stadt 11.000 Einwohner, hatte also fast das Vorkriegsniveau des Dreißigjährigen Krieges erreicht.
1696 begann die Barockisierung des gesamten Michelsberger Klosters.
Dieser Umbau sollte das gesamte 18. Jahrhundert hindurch andauern.
1698 errichtete Johan Christoph Bissing den Neptunbrunnen
am Grünen Markt auf einem Vorgängerbrunnen von 1337. Der Figurenschmuck
stammte von dem Bildhauer Caspar Metzner. Der Brunnenneubau sollte die
Wasserversorgung auf der Insel verbessern.
1698 begann der Baumeister des Fürstbischofs Leonhard Dientzenhofer mit dem Erweiterungsbau der Neuen Residenz
und fügte dem 1605 entstandenen Gebsattelbau bis 1707 zwei neue barocke
Flügel hinzu. Ein geplanter dritter Flügel wurde nicht ausgeführt.
1699 kam es, nachdem der Fürstbischof, in guter Absicht, trotz einer
Nahrungsmittelknappheit Getreide an holländische Juden verkauft hatte,
zu Übergriffen gegen jüdische Bürger in Bamberg. Das Gerücht, dass Juden
alle Getreidevorräte im Bistum aufkaufen würden, führte zu Aufständen,
die sich von der Stadt auf das Umland ausweiteten, bis die Truppen des
Fürstbischofs den Bamberger Getreideaufstand diese niederschlugen.
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